Stadternte – eine Mundräuberische Radtour durch Berlin

von Martin M.

Der goldene Herbst ist da und der Wunsch der Großstädter liegt nahe, die letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Jahres noch einmal zu nutzen und raus in die Natur zu fahren. Doch eigentlich muss man gar nicht so weit fahren, um neue Naturschätze zu entdeckten. Mitten in der Stadt gibt es ungeahnt viele Delikatessen, die darauf warten direkt vom Baum genascht zu werden. Wir haben uns auf unsere Räder geschwungen und bei der Mundraub GeNuss-Tour zwischen Hauptstraße und Stadtpark viele unerwartet öffentliche Vorräte für Essbares mitten in der Stadt entdeckt. Mit vielen interessanten Informationen und wertvollen Tipps und Regeln rund um das richtige Mundräubern konnten wir wieder einmal einen ganz neuen Blick auf die natürlichen Schätze der Hauptstadt gewinnen.

mundraub 1Unsere Fahrradtour startete an der Wohnungstür, gut 15 km Strecke bis zum Neptunbrunnen, dem Treffpunkt der GeNuss-Tour. Am vereinbarten Treffpunkt angekommen hielten wir Ausschau nach unserer Gruppe, die dank der Fahrräder schnell gefunden war. Begrüßt wurden wir mit der Frage „Seid ihr auch Mundräuber?“. Dies bejahten wir zwar, sollten aber erst im Verlauf der Tour das richtige Handwerkszeug und die zu beachtenden Regeln dazu beigebracht bekommen.
Nachdem die Truppe zukünftiger Mundräuber vollzählig war, wurde die erste Station angesteuert: Ein Maronenbaum nur wenige Meter vom Neptunbrunnen entfernt. Unsere Guides Andie und Magda stellten sich vor und erklärten uns die Unterschiede zwischen Maronen und Kastanien (!) Angst vor umständlich erklärten, wissenschaftlichen Fakten braucht dabei niemand zu haben. Für jeden nachvollziehbar wurden einige hervorstechende Merkmale erläutert. Auf Grund der fortgeschrittenen Saison waren leider schon viele der Maronen geerntet. Aber dennoch versuchten alle ihr Glück und für den außenstehenden Betrachter ergab sich das Bild von 12 gesenkten Köpfen die den Boden nach der beliebten Weihnachtsmarktleckerei absuchten. Ein älteres Paar auf einer Parkbank schaute etwas verwundert herüber und konnte sich wohl zunächst keinen Reim auf das etwas merkwürdige Verhalten machen. Auch wir sind zuvor schon mehrere Male einfach an diesem Baum vorbei gelaufen ohne zu ahnen, welche Leckereien er bereithält. Ein Paar Maronen konnten ergattert werden und der Tross setzte sich wieder in Bewegung.

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Im gemütlichen Tempo ging es Richtung Nikolaikirche. Dabei fiel mir auf, dass ich an dieser Ecke Berlins zwar schon oft vorbeigekommen bin, den urigen Bereich vor der Nikolaikirche aber noch nie wirklich gesehen habe. Und das als Einheimischer. Fast so unglaubwürdig wie mein Tipp, dass es sich bei dem von unseren Guides vorgestellten Bäumchen direkt vor der Nikolaikirche um einen Haselnussbaum handeln würde. In der Wildnis hätte ich bis dato wohl verhungern müssen, da es sich dabei um einen Apfelbaum handelte. Ein schönes Beispiel für vergessene Bäume mitten in unserer Stadt auf die die Mundräuber aufmerksam machen wollen. Dabei gilt als Grundregel: Alle Bäume die umzäunt sind werden nicht abgeerntet, der Mundräuber ist ja kein Dieb.

mundraub 6Vor den Ruinen der Franziskaner Klosterkirche wurde mit der Mehlbeere auch das Thema Gifte angesprochen. Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht, heißt es in einem Sprichwort. Also wird von vielen unbekannten Gewächsen Abstand genommen, da man zunächst einmal davon ausgeht, dass diese giftig wären. Die auch als Vogelbeere bekannte Frucht wird jedoch gern zu Marmeladen oder Saft verarbeitet und ist dann natürlich bedenkenlos genießbar. Besonders geschmeckt hat sie zwar nicht, dafür aber die Frucht der daneben befindlichen Eibe. Auch hier wäre ich ohne Anleitung (und dem Versprechen es würde nicht zu Magenkrämpfen kommen) nicht auf die Idee gekommen das äußere Fruchtfleisch zu essen. Wann kann man schon mal sagen, man hätte etwas zum ersten Mal probiert? Und das mitten in Berlin. Und für umsonst.

Um die Vorfreude auf eine eigene Tour nicht zu verderben, möchte ich nun aber nicht den Ablauf der gesamten Tour verraten. Nur noch ein paar Highlights nennen, zu denen das Sammeln von Haselnüssen (Baumhaseln) und das anschließende Verkosten des daraus hergestellten Sirups (als Tee) und der sehr leckeren Haselnussnascherei gehörten. mundraub9 mundraub8

Zum Schluss ein Dank den Mundräuberinnen Andie und Magda für ein paar sehr schöne und lehrreiche Stunden. Das Wissen um die heimischen Schätze in unserer Umgebung wurde bereits zur Entdeckung von Haselnüssen und Maronenbäumen eingesetzt. Wir freuen uns auf die kommende neue Saison und die vielen weiteren Leckereien die es mitten in der Stadt zu entdecken gibt. Bis dahin erfreuen wir uns an dem Haselnusssirup, den wir aus den selbst gesammelten Haselnüssen ansetzen werden.

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mundraub5Mundraub.org ist eine digitale Landkarte, die Obstbäume, Obststräucher, Nüsse und Kräuter im öffentlichen Raum abbildet. Die Inhalte der Plattform werden stetig durch ihre User erweitert, indem sie ihre Fundorte miteinander teilen oder Erfahrungen und Rezepte austauschen. Seit diesem Jahr bietet die Plattform die Mundraub Touren an, bei welchen Mundräuberin Magda Zahn und Medienpädagogin Andie Arndt den großen und kleinen Mundräubern zeigen, welche Delikatessen es mitten im Kiez zu entdecken gibt.


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