Citroën Multicity e-car sharing in Berlin – ein Erfahrungsbericht

von Martin M.

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Als mir die Frage gestellt wurde, ob ich nicht mal eine rein aus Elektrofahrzeugen bestehende Carsharing Variante probieren wolle und dabei die Anmeldegebühren sowie die ersten 60 Minuten Fahrpreis sparen würde, konnte ich nicht nein sagen. Die vielen Berichte über die Zukunft der Mobilität in Großstädten und die positiven wie negativen Reaktionen darauf machten Lust, selbst einmal Hand ans geliehene Lenkrad zu legen und den Autoschlüssel ohne aufheulendes Motorengeräusch im Zündschloss zu drehen.

Bevor es losgehen kann

Zunächst die blogger box aus dem Briefkasten geholt und auf der Citroën Multicity Internetseite angemeldet. Soweit so einfach. Nun erhält man die Registrierungsbestätigung, welche mit Führerschein und Personalausweis bei einem CitroënService-Point vorgelegt werden muss, um die Anmeldung abzuschließen und seine Multicity Kundenkarte zum Öffnen und Verschließen des Fahrzeuges zu erhalten. Zuerst kam mir dieser Teil der Vorarbeit zum eigentlichen Fahrvergnügen etwas umständlich vor. Über die Multicity Internetseite war jedoch schnell ein Service-Point ganz in der Nähe ausgemacht und wurde am darauffolgenden Tag aufgesucht. Dort nahm eine freundliche Citroën Mitarbeiterin meine Dokumente entgegen, kopierte diese, überreichte mir eine kleine Infomappe samt Kundenkarte und verabschiedete mich mit den Worten: „Das wird jetzt noch von der SCHUFA geprüft und wenn alles okay ist bekommen sie an die hinterlegte email Adresse eine Bestätigung“. Na das ging ja einfach. Bereits einen Tag später kam die Email mit der Bestätigung, dass ich nun in die Welt der elektrischen Mobilität einsteigen könne. Auch hier ein Pluspunkt für die rasche Bearbeitung und der insgesamt unkomplizierten Anmeldung.

In Vorfreude auf das kommende Testwochenende wurde die Multicity App auf dem Android Gerät installiert und in der innerstädtischen Arbeitsstätte ausprobiert. Fahrzeuge in der Umgebung mit Adresse anzeigen lassen, 15 Minuten kostenlos vorreservieren und Batteriestandinfos ließen auf eine komfortable Bedienung schließen.

Jetzt geht’s los…oder?

Ich entschied mich in die Kreuzberger Bergmannstr. zu fahren und dabei in dieser Umgebung keine weiteren CO²-Emissionen zu verursachen. Doch zuvor kommt leider der erste Minuspunkt. Mein Wohnbezirk liegt außerhalb des Geschäftsgebietes von Multicity. Aus der Wohnung, auf die Straße, und elektrisch betrieben in die Innenstadt funktioniert in meinem Fall schon mal nicht. Jetzt blieben zwei Optionen zu einem Multicity Fahrzeug in der „erweiterten Umgebung“ zu gelangen. Mit dem eigenen Fahrzeug oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Nicht gerade praktisch, wenn man eigentlich mit dem weiß/lilanen Citroën C Zero unkompliziert losfahren wollte. Dies wurde dann zunächst mit dem eigenen Auto getan, da wir auch gleich das Fahrgefühl und die Einfachheit der Bedienung vergleichen wollten.

multicity2.jpgRauf auf die Stadtautobahn und mittels Android App vom Beifahrer Fahrzeuge in der Nähe von Tempelhof (da zwischen eigener Wohnung und Bergmannkiez gelegen) suchen lassen. Per Standortbestimmung sollte ein passendes Fahrzeug gefunden werden. Dies gestaltete sich jedoch nicht so leicht wie gedacht, da die Multicity Android App zwar den eigenen Standort bestimmt und Fahrzeuge in angrenzenden Straßen anzeigt, dies jedoch auf einer relativ großen Karte und ohne visuellen Hinweis auf den exakten Standort tut. Zum Vergleich wurde die iPhone App zu Rate gezogen, welche den vermissten Standortpunkt mit Umkreisanzeige von Vornherein anzeigte.

Eines der angezeigten Fahrzeuge auf dem Tempelhofer Damm wurde ausgewählt und kostenfrei für 15 Minuten reserviert. Dann folgte der aus dem Leben gegriffene Praxisfall, dass die Autobahnabfahrt Tempelhofer Damm auf Grund eines Fahrradmarathons gesperrt war. Ein Ausweichfahrzeug musste her und das alte abbestellt werden. Jedoch wurde in der Android App eine Funktion zur Abbestellung des gebuchten Fahrzeuges auf die Schnelle nicht gefunden, was darin resultierte, dass wir die Vorbuchung bestehen lassen mussten und eine zweite, für ein Fahrzeug im Werner-Voß-Damm, durchführten. Hierbei fiel auf, dass die Akkuladestände der Fahrzeuge meist im Bereich von 30-50% lagen, was sich später als eines der Hauptkritikpunkte herausstellen sollte.

Jetzt geht’s aber wirklich los!

multicity tabDa stand es also. Das Citroën C Zero Modell – in etwas gewöhnungsbedürftigem weiß und lila gehalten. So richtig überzeugend fanden weder ich, noch meine Freundin die Farbwahl, ließen uns jedoch nicht davon abhalten die Probefahrt endlich anzugehen.

Zuerst das Fahrzeug auf bestehende Schäden überprüfen und anschließend mittels vor die Frontscheibe gehaltener Kundenkarte geöffnet. Als totaler Neuling in Sachen Carsharing schon eine interessante Sache.

Der Innenraum erschien uns beim ersten Probesitzen etwas klein, aber übersichtlich eingerichtet. Ein Manko im Innenraum war das etwas eingestaubte Armaturenbrett und ein paar Kaffeeflecken auf den Fensterhebern. Insgesamt fiel dies aber nicht allzu negativ auf.

Der Griff zum Handschuhfach förderte den in einer Halterung verstauten Autoschlüssel zutage und ohne Motorengeräusch wurde das Fahrzeug sodann gestartet. Ein Piepton signalisiert dem Fahrer, dass das Fahrzeug Fahrbereit ist. Als Kraftfahrer, der es durchaus gewöhnt ist unterschiedliche manuelle und automatikgetriebene Fahrzeuge zu fahren, stellte die Handhabung des kleinen Stadtflitzers keine Hürde dar. Aber auch für den Laien garantieren die aufgeräumten Anzeigen und einfache Handhabung Fahrspaß ab der ersten Minute. Hierbei ist positiv hervorzuheben, dass der Citroën C Zero wirklich spritzig im Anzug ist und durch den Elektromotor im Innenraum kaum Geräusche erzeugt. Vielleicht mag es den Motorsportpuristen stören, dass es kein Röhren, Knattern oder Blubbern mein Hochdrehen des Motors gibt. Mich störte es aber nicht im Geringsten.

Ein Auge auf der Akkuanzeige

Wie bereits beschrieben verfügte unser Mietauto über nicht ganz 40% Akkuladung. Das sollte locker reichen um von Tempelhof nach Kreuzberg zu fahren, oder? Zunächst einen ersten Eindruck verschaffen und eine kleine Testfahrt auf der Stadtautobahn durchführen.

Wo der durchschnittliche Autofahrer den Tachometer vermutet, befindet sich beim C Zero eine Anzeige über den Verbrauch der Akkuladung. Während des Abbremsens schlägt die Anzeige Richtung „Charge“ aus und zeigt an, dass durch den Bremsvorgang die Batterie wieder geladen wird. Während des Beschleunigens wird zunächst der „Eco“ Bereich erreicht, welcher den optimalen Verbrauchsbereich kennzeichnet. Bei durchgehender Beschleunigung wird dieser Bereich schnell durchlaufen und der C Zero fängt an ordentlich Akkuladung zu verbrauchen.

Der bei Fahrtantritt angezeigte wert von 26 Km Reichweite verringerte sich so schnell und war nach wenigen hundert Metern Stadtautobahn inklusive zügiger Auffahrt bereits bei 19 Km angelangt. Rein vom Fahrvergnügen her, beschleunigen die 67 PS den C Zero flott von der Stelle, sodass hier keineswegs das Gefühl eines „lahmen Elektroautos“ aufkam. Detaillierte Ausführungen zum Fahrzeug sollen hier bewusst nicht getroffen werden, da zum einen die Fachkenntnisse fehlen und zum anderen das Multicity Konzept im Vordergrund stehen soll.

Multicity tankIm Verlauf der weiteren Fahrt wurde klar, dass die verbleibenden Kilometer nicht ausreichen würden, um die angepeilte Bergmannstr. Erreichen zu können, ohne unter die geforderten 10 km Reichweite Akkuladung bei Abstellen des Fahrzeugs zu geraten. Es wurde die nächste Ladesäule angesteuert und dank der Hinweise auf dem Tankdeckel der erstmalige, für den Benzingewohnten Autofahrer etwas ungewohnte, Ladevorgang durchgeführt (dafür lobt Multicity 10 Gratisminuten für die nächste Fahrt aus, sofern die Akkuladung des abgestellten Fahrzeuges unter 50% beträgt).

Der Ladevorgang ist dabei sehr simpel und nach dem ersten Versuch bereits in Fleisch und Blut übergegangen.

multicity3Die Multicity App meldete sich und bedankte sich für 30 gefahrene Minuten und 8 gefahrene Kilometer bei einem Preis von 8,40 €. Auf der Internetseite können bestehende und zurückliegende Buchungen übersichtlich angezeigt und nachverfolgt werden.

Nachdem der restliche Weg zu Fuß absolviert und die Vorzüge des Bergmannkiezes genossen wurden, suchten wir das nächste freie Fahrzeug für den Rückweg. Dies wurde in der Schleiermacherstr., quasi ganz in der Nähe, angezeigt und freudig per Android App vorreserviert. An angezeigter Stelle angekommen, suchten wir nach dem optisch auffälligen Stadtflitzer und konnten nicht so recht glauben, dass wir daran vorbeigeschlendert sein sollen. Ein Blick in die iPhone App zeigte, dass das von mir reservierte Fahrzeug nicht angezeigt wurde. Ob Bedienfehler meinerseits oder ein Fehler in der Android App, ärgerlich war es so oder so, dass das erwartete Fahrzeug nicht vor Ort war.

Es schloss sich ein zehnminütiger Fußmarsch zum nächsten freien Fahrzeug an, was uns mit 39 km Reichweite komfortabel und diesmal schon in gewohnten Bedienungsabläufen zum Ausgangspunkt unserer Testfahrt brachte.

Resümee nach der ersten Testfahrt

Einfache Bedienung und CO² freier Fahrspaß bieten Pluspunkte, das für mich noch nicht weit genug ausgebaute Geschäftsgebiet und die Reichweite der Fahrzeuge klare Minuspunkte. Das korrekte Einschätzen von Akkuständen und einhergehenden Reichweiten ist, so nehme ich an, auch eine Frage der Übung. Für denjenigen, der im Innenstadtbereich schnell von A nach B möchte und dies mit einem Fahrzeug auf umweltverträgliche Weise tun will, steht, sofern man von den genannten Kinderkrankheiten absieht, mit Multicity eine Variante der Fortbewegung zur Verfügung, welche in Zukunft mehr und mehr Anhänger finden wird. Auch die Preisgestaltung ist mit 0,28 € die Minute, gerade für kürzere Fahrten durchaus fair. Wenn man sich diese auch noch mit ein paar Beifahrern im fünftürigen C Zero teilen kann wird die Fahrt zum Restaurant, der Bar oder ins Grüne umso günstiger und grüner.

Nachdem jetzt erste Berührungsängste abgebaut sind, hoffe ich auf den weiteren Ausbau der Geschäftsbereiche der Anbieter von Elektrofahrzeugen, damit auch ich in Zukunft bei Bedarf diese Form der nachhaltigeren Fortbewegung nutzen kann.

Zu guter Letzt: Green In Berlin follower bekommen hier die Anmeldung und 60 Minuten kostenlos.

 

 

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